Islandreise 1

Tag 0:

Tja es ist soweit, 3 Wochen Ungewissheit stehen vor einem. In 6 Stunden tuckert man gemütlich dem Flughafen Düsseldorf entgegen. Bahnfahren macht doch Spaß! Vor allem wenn man im vollklimatisierten Zug sitzt und draußen 35 °C sind. Einzig bei der Fahrt mit der S-Bahn komme ich ins Schwitzen, und das nicht nur durch die Temperaturen. Da steht man plötzlich auf dem Bahnsteig "Abflug E" und rätselt wo man denn wirklich hin muß. :-) Aber zum Glück fliegt LTU als einizige vom Abflug E ab, mal wieder Schwein gehabt.Was dann begann löste bei einigen "normalen" Touristen mehr als nur Heiterkeit aus. Das Verpacken des Rucksacks in seinen Packsack, nicht unbedingt nötig aber ich persönlich finde es einfach besser. Naja bei diesem Flug stellten Backpacker wohl eher eine nicht sehr große Minderheit dar. Sozusagen die Exoten unter den Fluggästen. Das einchecken des Gepäcks gab mir dann den ersten Schock, knappe 24 Kg als Rucksackgewicht (*schluck*). Nur gut das ich die Taschen der Jacke mit allem was schwer war gefüllt, und den Schlafsack als Handgepäck dabei habe. Sonst hätte ich wohl noch Zuschlag zahlen müssen. Auf zum Zoll. Das durchleuchten der Jacke brachte einen halben Outdoorladen zum Vorschein, ist schon interessant was man alles in 6 Taschen einer Jacke verstauen kann. Selbst der Sicherheitsbeamte war beeindruckt. :-) Aber dann fand er in dem ganzen Haufen doch noch 2 Sachen die ihn interessierten, das GPS und die Pumpe des SIGG-Kochers hatten es ihm angetan. Beim GPS genügte ihm die Einschaltmeldung, bei der Pumpe war das schwieriger. Erst nachdem ich die Pumpe halb auseinander genommen und ihm gezeigt habe das die Pumpe wirklich Luftdruck aufbaut war er zufrieden. Was dann in den folgenden 2,5 Stunden ablief läßt sich einfach beschreiben: HORROR. Ist wirklich sehr entspannend wenn man Flugangst hat. Jedenfalls hätte ich den Boden küssen können als die Maschiene wieder auf der Erde stand. :-)) Nun mußte ich nur noch meine 7 Kg Lebensmittel aus dem Flughaufen bringen, aber zum Glück war mir dabei eine Reisegruppe behilflich. Aber auch ohne diese scheint es kein großes Problem zu sein, keiner aus dem Flugzeug wurde kontrolliert. Vom Flughafen fährt ein Bus nach Reykjavik (600 Kronen). Die Fahrzeit ist etwa 1 Stunde. 3 Mann des Fluges werden allerdings nicht mehr sehen als den Flughafen. Sie nehmen gleich die Rückmaschiene die 2 Stunden später geht. Auch eine Art einmal auf Island gewesen zu sein. Für 300 DM mir aber etwas zu teuer. Aber das soll nicht mein Problem sein.... Tja und da stehe ich nun im Dunkel in Reykjavik in der Gegend rum, alle Pläne die man sich so zurecht gelegt hat lösen sich langsam in Luft auf. Mal sehen wo ich ein Schließfach für den Rucksack finde, dann sehe ich mir Reykjavik bei Nacht an. Das Buscenter hat leider zu und kein Schließfach in der Nähe, entweder ich warte die 8 Stunden hier draußen auf den Bus oder ich versuche den Zeltplatz zu finden. Nur von dem Zeltplatz weiß ich leider nicht mehr als das er hier irgend wo sein soll, da warte ich lieber. Bei 0 °C und einem Sternenklaren Himmel wurde es eine sehr lange und sehr kalte Nacht.....

Tag 1:

Gegen 7 Uhr macht endlich das geheizte Bus-Center auf. :-) Es ist einfach schön im warmen zu sitzen. In einer Stunde fährt der Bus nach Reykholt (1400 Kronen). Wenn man überhaupt von einem Bus reden kann, der Bus hat die Größe eines VW-Busses! In der Windschutzscheibe ist ein etwa 4 cm großes Loch durch einen Steinschlag und anfahren geht nur im 2. Gang. Willkommen in Island! :-) Was aber wirklich grausam ist, das ist die Fahrweise. Bei dem geringen Gegenverkehr in Island stellt das zum Glück kein Problem dar. In Deutschland möchte ich den Fahrer aber nicht unbedingt haben. :-)  Da die Fahrt über 6 Stunden geht, habe ich einige Zeit mir die Gegend anzusehen. Was mir vor allem auffällt, das sind die Unmengen an Stacheldraht mit denen jeder Meter eingezäunt wurde. Als Ex-DDR-Bürger weckt das einige Erinnerungen. :-) Aber dafür ist die Landschaft ganz großartig. Vor allem die Berge fazinieren mich, als wenn sie ein Riese einfach aus der Erde gezogen hätte. Vor allem die Steigung dieser Berge ist schwindelerregend, das sind 50-60 Grad! Bei solch einem Anblick lasse ich den Plan, durchs Hochland am Langjökull zu laufen, fallen. Als ich in Reykholt ankomme trifft mich bald der Schlag, der Ort mit der leistungsstärksten Thermal- quelle der Welt ist nicht mehr als eine Werkstatt mit einer Tankstelle und einem Wohnhaus. In der Umgebung stehen zwar noch einige Höfe, aber irgendwie habe ich mir den Ort doch ganz anders vorgestellt. Ich glaube ich muß einige Vorstellungen ganz schnell über Bord werfen. Dann werde ich wohl mal langsam in Richtung Húsafell losziehen. Nach einigen Kilometern bekomme ich den ersten Hinweis von meinen Füßen das die Socken nicht die besten sind. Die ersten Blasen haben sich am linken Fuß gebildet. Klasse! :-( Auch rutscht der Hüftgurt des Rucksacks ständig, da habe ich den Rucksack wohl überladen. Irgendwie bin ich begeistert von der Idee hier 3 Wochen mit einem rutschendem Rucksack durch die Gegend zu stolzieren. Aber erst mal genieße ich die Landschaft weil strahlend blauer Himmel und über 20 °C sind in Island wohl nicht sehr häufig. Vor allem wenn man vor sich den Langjökull in pechschwarzen Wolken sieht. Das Bild ist so unrealistisch, das man es erlebt haben muß. Etwas was man nicht unbedingt erleben muß, ist ein Rottweiler. Nur leider hatten mich die beiden Hunde eines Bauern entdeckt. Ist wirklich sehr förderlich wenn man von so einem netten Tier begleitet wird. Vor allem bekommt man einen sehr schnellen Schritt auf die Füße. Zum Glück ist der Hund nach etwa hundert Metern wieder zu seinem Herrchen zurück Da war mir der zweite Hund lieber, der schaute sich das ganze aus der Ferne an :-) So erst mal eine rast einlegen und die Füße kühlen. Mit den Socken muß ich mir was einfallen lassen, so geht das nicht weiter. So langsam mache ich mich wieder auf die Socken, allerdings bin ich schon ganz schön fertig. Man merkt halt sehr stark wenn man sonst keinen Sport betreibt. Ich bin an einer Kreuzung, noch 9 Km bis Húsafell. Bloß ich kann nicht mehr! Unten in dem Ort soll es einen Campingplatz geben, ich werde mal schauen. Hmmm, kein Campingplatz zu finden da muß ich wohl jemanden suchen der weiß wo er ist. Auf einem Hof in der Nähe finde ich einen Imbiss, das "Gespräch" mit der guten Frau will ich hier lieber nicht wiedergeben, nur das es mehr mit "Händen und Füßen" geführt wurde als mit Worten. Ist nicht besonders gut wenn man kein Englisch kann. :-( Jedenfalls weiß ich jetzt das ich 250 m (so weit??) zurück muß, dort ist dann der Zeltplatz. Also Zelt aufgebaut und etwas gegessen. Da sitzt man nun ganz allein auf einem riesigen Zeltplatz und schaut in den Regen hinaus. So langsam kommt doch ein Glücksgefühl aus dem Schlafsack gekrochen.

Tag 2:

Beginnen wir den tag mit einem guten Frühstück: Müsli. Danach packe ich mal ein und suche den Besitzer zum Bezahlen. Da im hinteren teil des Campingplatzes Ferienhäuser stehen nehme ich an das ich dort jemanden treffe der mir weiterhelfen kann. Das arme Opfer meiner miesen Englischkenntnisse konnte sich Glück noch Deutsch. Es muß gut ausgesehen haben als mir das Kinn runterrutschte. :-) Jedenfalls konnte ich nun meine 250 Kronen abdrücken. Gegen 12 Uhr machte ich mich auf den Weg nach Húsafell. Mehr als diese 10 Km will ich heute nicht laufen. Die Strasse ist stark gewunden und steinig. Nach ein paar Kilometern bin ich am Beginn der Hraunfossar, den Lavawasserfällen. Hier kommt aus der Steilwand des Flußes noch ein Fluß. Die ganze Flußwand ist ein einziger Wasserfall der sich auf mehrere Hundert Meter hinzieht. Die Besucherplattform mit dem großen Parkplatz erinnert einen wieder an den Massentourismus. Ganz in der Nähe befindet sich der Barnafoss, ich finde ihn nicht ganz so beeindruckend. Aber nun weiter, bis Húsafell ist es nicht mehr weit. Kurz vor Húsfell steht ein Stein mit einem Gesicht. Zwei Wochen später in Reykjavik erfahre ich von einem Künstler der diese Gesichter in den Stein haut und diese Steine wieder aussetzt. Húsafell ist eher eine Feriensiedlung als eine Wohngegend. Der Großteil des Ortes stellt der Campingplatz und die Hütten dar. Der Zelt- platz kostet 450 Kronen die Nacht, dafür hat man warmes Wasser. Auch mache ich hier zum ersten Male die Erfahrung mit den Aufklebern. Nach dem Aufbau des Zeltes esse ich erst einmal etwas, allerdings ist es eher ein Reinstopfen als ein essen. Ich habe absolut keinen Hunger.     Habe noch einen Plausch mit ein paar deutschen Radfahrern gehabt. So ein Fahrrad wäre ideal, damit kommt man wenigstens vorran. Ich dagegen schleiche mit 10 Km am Tag rum. Vor dem schlafen schaue ich noch mal in die Karten, die Route um den Langjökull kan ich vergessen. Dafür bin ich einfach nicht gut genug ausgerüstet. Ich werde einfach die Kaldidalur nach Thingvellir nehmen. Noch ein paar Riegel futtern und dann schlafen....

Tag 3:

Habe etwas warmes zum Frühstück gegessen. So gegen 10.30 Uhr ziehe ich los, die hälfte der Route möchte ich wenigstens schaffen. Der erste Teil ist ja noch normale Strasse, aber dann beginnt die Landschaft sich zu verändern. Die Strasse ändert sich auch zu einem Track. Das einzig wirklich harte an der Strasse ist ein Berg mit einer starken Steigung, hier holen mich auch die Radfahrer ein. An Landschaft gibt es nur noch eine Felswüste, ist eine sehr deprimierende Gegend. Ich bin jetzt schon froh wenn ich wieder raus bin. Vom Langjökull und vom Ok sieht man leider nichts, die Wolken kann man fast anfassen so tief hängen sie. Alles um einen herrum ist sehr bedrückend. Ich komme am Abzweig zum Langjökull vorbei, da es aber keinen Zeltplatz gibt spare ich mir die 6 Km. Und in dieser Steinwüste kann man kein Zelt aufstellen. Naja erst mal eine Rast, der linke Fuß schmerzt ganz gehörig ich habe ihn wohl überlastet. Beim weiter- laufen kommt mir mal mein Wasservorrat in den Sinn. Außer dem 2 Liter Sporttank habe ich kein Wasser mitgenommen, bisher habe ich ja überall etwas gefunden. Nur hier ist die Gegend völlig trocken. Noch eine Stunde Marsch, dann suche ich mir einen Lagerplatz. Die suche nach einem guten Platz war ganz schön schwierig, zum Glück habe ich einen alten Seitenpfad gefunden. Beim Zeltaufbau haben sich ein paar vorbeifahrende Isländer bald kaputt gelacht. Naja die werden wissen warum.... Aber ich muß mich erst einmal auf die suche nach Trink- wasser machen, im Sporttank ist nur noch 1 Liter und der halbe liter Cola ist fürs Abendessen. Außer einem völlig weißen Fluß in einem schwarzen Lavaflussbett habe ich nichts gefunden. Mal sehen ob sich das Wasser absetzt, weil zur Zeit sieht es aus wie Milch. Schmecken tut es wie Betonwasser, einfach eklig. Naja wende ich mich erst mal meinen Füßen zu. Am linken haben sich zwei große Blasen gebildet, der rechte Fuß wird auch bald ein paar Blasen haben. In Thingvellir werde ich ein paar Tage bleiben müssen. Zum Abendbrot gibt es die Cola, trotz das ich 6 Stunden gelaufen bin habe ich keinen Hunger. Auch fühle ich mich nicht besonders gut. Der Wind wird langsam stärker, Hauptsache das Zelt bleibt stehen. Aber das werde ich morgen früh sehen, erst mal schlafen. Noch 38 Km bis Thingvellir....

Tag 4:

Es Regnet. Habe sehr mies geschlafen, sind wohl Existenängste. Das Flußwasser was ich in eine Flasche gefüllt habe, ist immer noch wie Milch nichts hat sich abgesetzt. Ich versuche mir einen Filter zu bauen, aber das Wasser sieht immer noch wie Milch aus. Hätte mir wohl doch einen Taschenfilter mitnehmen sollen. Beim nächsten mal bin ich schlauer! Habe noch zwei Teller Regenwasser getrunken, also eigentlich habe ich keine Probleme. Und trotzdem sitzt da ein kleines Männchen in meinem Kopf und verbreitet Panik. Vieleicht liegt es auch daran das ich nichts essen kann. Der Zeltabbau gerät bei dem Wind zum Kampf mit dem Stoff, die Zelt- form  ist leider nicht die beste wenn es darum geht das Zelt bei Wind abzubauen. Auch ist es völlig verdreckt und total durchgeweicht. Ich ziehe dann mal mit Rückenwind und Schieberegen los anch Thingvellir. Bei der Gelegenheit stelle ich auch gleich noch fest das der Poncho nichts taugt, am Hintern wird man völlig naß. Bei 30 m Sichtweite laufe ich 12 Km, im laufe der Zeit verbessert sich die Sicht. Beim ersten der in meine Richtung will halte ich den Daumen raus. Einige Zeit später kommt jemand der mich mitnimmt, es ist ein Schweizer Pärchen. Die nehmen mich bis nach Thingvellir mit. Hier werde ich erst mal einige tage verbringen, der linke Fuß hat sich noch weiter verschlimmert. Die Blasen sind hierbei noch das geringere Übel, ich muß irgend etwas im Knöchel überlastet haben. Er schmerzt ganz gut, mal sehen was ich im Sanipack habe. Nach dem Zeltaufbau fange ich an mal in die Karten zu schauen, ich werde den Weg wohl zum Gullfoss weiter fortsetzen. Am Abend gehe ich noch mal auf Wanderung, etwas weiter weg ist ein verlassener Hof den ich mir einmal ansehen will. Dort angekommen mußte ich feststellen das dort außer ein paar Grundmauern fast nichts mehr steht, der Weg hat sich nicht gelohnt. Das einzige was ich gesehen habe war ein Rudel Schneehühner (?). Zum Abend habe ich mal wieder richtig gegessen. Allerdings fängt es langsam an recht stürmisch zu werden, warum mußte ich mich auch unbedingt auf einen offenen Platz stellen. Das Zelt wackelt wie ein Lämmerschwanz, ich ziehe noch mal alles nach. Mein Zeltnachbar hat es da mit seinem Hilleberg einfacher, das Zelt von ihm steht wie angenagelt.

Tag 5:

War eine sehr stürmische Nacht, ich bin am überlegen ob ich das Zelt nicht anders aufstellen soll. Auf der anderen Seite der Strasse stehen ein paar Büsche die etwas Windschutz geben würden. Aber viel ist es nicht, außerdem bin ich zu faul um das Zelt abzubauen. Mein Zeltnachbar ist auch ein Deutscher, er treibt sich schon seid 6 Wochen hier auf Island rum. Wir schwatzen noch eine Weile und beschließen dann noch etwas durch die Gegend zu ziehen. Allerdings haben wir uns einen "Pfad" ausgesucht den es wohl nur auf der Karte gibt. Außer ein paar markierungs Hölzern ist nicht viel vom Pfad zu finden. Mein linker Fuß auf dem ich das USA-Pflaster ausprobiere meldet sich gehörig zu Wort. Auch fängt es langsam an zu regnen. Aber zum Glück nicht sehr stark. Gegen 16 Uhr esse ich das erste heute, ich habe einfach keinen Hunger. Dafür fängt der Wind wieder an. Also das selbe Spiel wie in der Vornacht. Es treffen noch ein paar Deutsche ein, wir schwatzen noch eine Runde. Der Wind flaut auch ab, dafür regnet es. Aber das stört nicht weiter. Das einzigste was mich stört, meine Isomatte ist undicht.

Tag 6:

Ist eine schlechte Nacht gewesen, so ein lasches Ding von Isomatte bietet absolut keinen Komfort. Aber ich kann kein Loch entdecken und das Ventil ist auch dicht. Da werde ich wohl mal mit Wasser suchen müssen. Aber jetzt gehe ich erst einmal nach Thingvellir runter. Mal sehen wie die "Allmännerschlucht" aussieht. Die Schlucht ist klasse, vor allem der Öxarárfoss sieht nicht schlecht aus. Von den paar Häusern unten war ich nicht besonders begeistert. Aber dafür ist der See spitze. Sowas von klar habe ich noch nie gesehen, man müßte in dem See mal tauchen. Nur leider ist er sehr kalt. Ich werde mal zurücklaufen und was essen. Dann hänge ich mal die Isomatte unter das Wasser. Der Boden der Matte ist mit einer Unmenge an kleinen Löchern nur so bedeckt. Die Löcher können nur durch die kleinen Steine aus dem Hochland in den Boden gekommen sein. Beim nächsten mal sollte ich nur eine Schaumstoffmatte mitnehmen. Aber erst mal esse ich ganz groß, ich habe einen riesigen Hunger. Leider misslingen die Pfann- kuchen vollkommen. Mal sehen wenn jemand eine Titan-Pfanne mit Beschichtung baut, bis dahin werde ich die Pfannkuchen einfach weglassen. Da ich relativ schnell nach Thingvellir gekommen bin muß ich meinen Zeitplan mal wieder überdenken, weil Geysir und Gullfoss dauern nur noch eine Woche nach meinen Schätzungen. Morgen früh werde ich nach Laugarvatn loslaufen, für die 23 Km rechne ich mal mit 2 Tagen. Der linke Fuß ist ja leider völlig im Eimer. Na mal sehen wie morgen das Wetter ist, denn es fängt an windig zu werden und zu regnen.

Tag 7:

Als ich gegen 6 Uhr aufwache regnet es noch, kann ich noch weiter schlafen. Gegen 8 Uhr läßt der Regen nach, esse noch 2 Riegel und baue langsam das Zelt ab. Ich laufe gegen 9.30 Uhr in Richtung Laugarvatn los, die beiden anderen wollen nach Sellfoss. An der Kreuzung nach Laugarvatn stelle ich fest das der Weg eher eine Piste ist, auch ist er bautechnisch schlechter als die Kaldidalur. Unterwegs fängt der Himmel an sich zu zuziehen. Da werde ich mich wohl beeilen müssen. Ich entdecke noch ein Höhle am Wegesrand, allerdings bräuchte man eine Ausrüstung um die Höhle zu besichtigen, der Eingang ist einfach zu tief. Auf dem weiteren Weg kreuze ich einen Fluß, das Flußbett geht neben der Straße weiter. Etwa 500 Meter weiter ist das Flußbett vollständig trocken. Mal wieder eine neue Erfahrung gemacht. Allerdings kommt jetzt das Wasser von oben. Zum Glück nur sehr leicht. Ein Isländer nimmt mich die 2 Km bis zum Stadtrand mit. Die restlichen paar Meter laufe ich. An der Tankstellle treffe ich auf die zwei Radfahrer die mich überholt haben, die beiden kommen aus Dresden. Wir schwatzen noch eine Weile über ein paar Ziele hier auf Island. So mal sehen ob der Zeltplatz noch offen ist, laut Campingplatzführer hat seit gestern zu. Mit 740 Kronen für 2 Nächte ist er sehr preiswert, vor allem weil eine Dusche und eine Waschmaschiene auf dem Zeltplatz sind. Einzigster Nachteil ist, das warme Wasser riecht hier extrem nach verfaulten Eiern. Das Zelt baue ich hier hinter Büschen auf, weil langsam wird es windig. Die Isomatte halte ich auch noch einmal unters Wasser und markiere die Löcher, vieleicht bekomme ich die Matte dicht. Leider fängt es noch an zu regnen mal sehen wie ich die Isomatte trocken bekomme. Bis dahin gehe ich noch eine Runde einkaufen. Pflaster, Creme, Cola und Trockenfisch outen mich voll als Touristen. :-))   Die Bedienung von der Tankstelle ist sehr überrascht das wir Deutsche den Trockenfisch kennen und auch essen. Auf eine ausführliche Konversation konnte ich mich leider nicht einlassen weil mir die Sprachkenntnisse mal wieder fehlen. Ich sollte wohl doch mal einen Englischkurs machen. Auf dem Zeltplatz angekommen futtere ich den Trockenfisch und ein paar Kekse, das reicht für heute. Draußen gießt es wie aus Eimern, auch ist es sehr stark windig. Trotz dem Windschutz wackelt das Zelt stärker als in Thingvellir. Naja noch mal nachspannen und es wird gehen. Bevor ich in den Schlafsack hüpfe schaue ich mir meine Füße noch mal an, das USA- Pflaster hat ganze Arbeit geleistet. Der rechte Fuß hat jetzt auch noch eine riesige Blase auch sind noch ein paar Blasen auf den Fußsohlen. 25 Km in diesen Socken war wohl doch etwas viel. So aber erst mal schlafen. Oder zumindest will ich es versuchen, weil die Reisegruppe vorne hat einen Hobby-Heino bei sich dabei. Ich hasse den Typen und seine Klampfe!

Tag 8:

Die Isomatte ist immer noch undicht trotz der vielen Flicken. Muß ich mir in einer Tankstelle eine neue kaufen, in Borganes gab es ja welche an der Tankstelle. Gegen Mittag habe ich mal wieder etwas gegessen. Mit dem Essen reiche ich noch ewig, 7 Kg sind wohl doch zu viel. Aber lieber so als wenn ich zum Schluß nichts mehr habe. Werde mal einen Wanderpfad zu ein paar Höhlen nehmen. Hmm, also trotz einiger Rennerei finde ich keinen dieser Pfade. Mit der Ausschilderung von Wegen haben die Isländer nicht viel am Hut. Nach einer guten Stunde laufe ich zurück. Heute ist ein wunderbarer Tag, man kann von hier aus auf die Hekla (60 Km) und auf den Eyjafjalljökull (100 Km) sehen. So eine Fernsicht hat man in Deutschland nicht. Mal sehen ob man auf den Fotos etwas erkennen kann. So noch was essen und dann in den Schlafsack. Mal sehen wie ich hier morgen wegkomme, weil am Mittwoch fährt hier kein Bus. Da werde ich die 30 Km wohl laufen müssen. Wenn ich nur wüßte wo der Zeltplatz zwischen Laugarvatn und dem Geysir liegt. Muß ich mal sehen.

Tag 9:

Es hat die ganze Nacht geregnet, auch jetzt sieht der Himmel immer noch so aus als wenn es weiterhin regnen will. Werde was essen und dann entscheide ich ob ich bleibe oder ob ich zum Geysir loslaufe. Beim Geschirrspülen kommt ein Engländer aus dem Busch gekrochen, der Typ muß da ohne Zelt geschlafen haben. Er will auch zum Geysir. Gegen 10.40 Uhr laufe ich los, die Regenwolken stehen nur über Laugarvatn und den umliegenden Bergen. Es fängt an zu regnen, zum Glück ist es nur ein leichter Nieselregen. Beim Anziehen des Ponchos habe ich das GPS verloren, nur gut das ich 200m weiter noch mal schauen wollte wo ich eigentlich bin. Ich versuche noch mal per Anhalter mitgenommen zu werden, aber scheinbar hat keiner Lust einen nassen Backpacker mitzunehmen. Muß ich wohl weiterlaufen, aber das schlimmste ist das die Schmerzen im linken Knie weiter zunehmen. Wenn die nicht weggehen ist Geysir das ende der Tour. Aber zur Zeit habe ich immer noch 15 Km vor mir, die hälfte habe ich gerade mal geschaft. An der Straßenkreuzung entdecke ich ein Schild das 5 Km weiter ein Zeltplatz ist. Wenn ich dort übernachte komme ich nie mehr auf die Beine, trotz der Schmerzen werde ich wohl durchziehen müssen. Ich mache erst mal eine Rast, der Engländer der die ganzen Kilometer hinter mir herläuft haut sich auch erst mal hin. Ich hoffe das in der Nähe mal eine Tankstelle kommt, das Wasser von Laugarvatn kann man heute absolut nicht trinken. Bisher habe ich etwa erst einen 1/4 Liter getrunken, und das auch nur mit Widerwillen. Aber noch ein wenig hin dann kreuzt laut Karte ein bach meinen Weg. Die Tankstelle die in der Karte eingezeichnet war ist der Zeltplatz, ich bin am überlegen ob ich nicht doch hier schlafe. Der Engländer hat sich auch schon auf dem Rasen des Zeltplatzes breitgemacht. Die letzten 10 Km werde ich auch noch schaffen, hoffe ich zumindest. Nach etwa 1 Km treffe ich auf den Bach, erst mal Malzkaffee mit Keksen verdrücken. :-) Und den Sporttank mit trinkbarem Wasser füllen. 5 Km vor Geysir treffe ich noch auf ein älteres isländisches Ehepaar. Ihnen gehört der Hof an der Straßenkreuzung, wir schwatzen noch eine Weile. Zum Glück ist es eine sehr einfache Unterhaltung so das ich mit meinem Englisch noch mithalten kann. Die letzten 5 Km laufe ich auf einer Asphaltstraße, der Weg zieht sich wie Gummi. Ich bin körperlich völlig fertig, das linke Knie kann ich kaum noch bewegen. Gegen 18.20 Uhr bin ich auf dem Zeltplatz, der Imbiss hat leider schon zu. Noch mal beim Zeltaufbau anstrengen und dann kann ich mal sehen was mit den Beinen los ist. Zum Abendbrot gibt es nur noch einen Topf mit Malzkaffee, für ein richtiges Essen habe ich keine Energie mehr. Einzig meine Füße verarzte ich noch mal, die 30 Km habe ganz schöne Spuren hinterlassen ich brauche Unmengen an Pflaster. Es fängt an zu regnen, nur gut das ich jetzt schlafen kann.

Tag 10:

Es regnet immer noch auch ist der Himmel völlig grau, scheinbar hört es heute nicht auf mit regnen. Das linke Knie ist steif und läßt sich nur unter Schmerzen bewegen, nur gut das ich bis hierher weiter gelaufen bin und nicht den anderen Zeltplatz genommen habe. Die 30 Km haben dem Knie wohl den Rest gegeben. :-( Bin dann mal zum Kiosk gegangen, er ist gleichzeitig Information. Hätte ich mir eigentlich gleich denken können. Habe für 3 Nächte 1050 Kronen bezahlt, preislich geht der Platz nur hat er kein warmes Wasser. Habe mir in der Apside ein Süppchen gekocht, heute werde ich nicht groß rumlaufen. Ganz nebenbei verbrenne ich mir noch den Finger am Topf, wenn das so weiter geht brauche ich bald einen Invalidenausweis. Da nur im Zelt rumliegen zu langweilig ist gehe ich mal in den Imbiss und schreibe ein paar Postkarten, mal wieder ein Lebenszeichen absenden. Nebenbei stopfe ich mir noch ein Sandwich rein, lecker mal wieder Brot. :-) Irgendwie bin ich dann beim dösen im Zelt eingeschlafen.....

Tag 11:

Am morgen hört es endlich mal auf mit regnen. Wurde auch Zeit! Heute werde ich mir mal den Strokkur ansehen, schließlich schlafe ich hier schon 2 Nächte nur 50 meter entfernt von ihm. Hmm das eigentliche Gebiet der Geysire hatte ich mir größer vorgestellt, alles ist hier so geballt. Die ganzen heißen Quellen und heißen Löcher liegen auf einem etwa 150 meter langem Pfad. Wie eine breite Perlenschnur ziehen sie sich durch die Gegend. Von der Anhöhe aus kann man das gesammte Gebiet überblicken. Eigentlich will ich vom Strokkur ein paar gute Bilder machen, aber um den stehen nur Menschenmassen. Kaum ist eine Busladung Menschen weg kommt der nächste Bus und spuckt einen Haufen an Touristen aus. Bei einigen fragt man sich ob die in die Sommerfrische wollen, die rennen mir Sandalen und dünnen Sachen rum. So eine Busladung hat der Strokkur eiskalt erwischt. Die ganze Reisegruppe stand um den Strokkur versammelt und wartete auf den Ausbruch, der Strokkur ist auch 2 mal ausgebrochen allerdings nicht sehr hoch. Da die Gruppe zum Bus wollte und der Strokkur ausgebrochen war, lief die ganze Gruppe durch die Zone wo das Wasser runterkommt. Wie es der Zufall will bricht der Strokkur noch mal mit voller Kraft aus und duscht die ganze Reisegruppe ab. Vor allem riecht das Wasser sehr stark nach Schwefel, die Freude von den Leuten war fast grenzenlos. :-) Ich habe dann doch noch meine Fotos hinbekommen, hat etwas gedauert aber es hat hingehauen. Kann ich mir erst mal was zu essen machen. Beim essen kommt mir dann die Idee mal ein paar Sachen zu waschen, weil so langsam versagt mehr als nur das Deo. Leider ist das waschen mit kaltem Wasser nicht besonders effektiv, aber wenigstens sind die Sachen mal durchgewaschen worden. Am Abend versuche ich noch eine kleine Wanderung zu machen, aber der linke Fuß macht nicht mit. Zum Gullfoss werde ich wohl mit dem Bus hinfahren, laufen kann ich vergessen. Auch kann ich die weitere Tour in richtung Langjökull abschreiben, hier ist der Endpunkt der Tour. Naja gehe ich erst einmal schlafen. In der Nacht packt mich noch mal der Hunger und ich koche noch eine kleine Tüte "Nudeln in Tomatencremesauce", sowas hebt ungemein das Wohlbefinden.

Tag 12:

Diese nacht habe ich das erste mal früh am Morgen im Schlafsack gefrohren, ich nehme aber an das ich den Wärmekragen nicht richtig zugemacht habe. Am morgen regnet es noch, auch ist der Himmel völlig mit Wolken verhangen. Aber ich werde trotzdem zum Gullfoss fahren, morgen will ich nach Reykjavik. Noch schnell was frühstücken und dann kann es losgehen. Der Bus hat 15 Minuten Verspätung hoffentlich bleibt noch genug Zeit um sich den Gullfoss näher zu betrachten. 360 Kronen für 10 Km ganz schön gesalzene Preise für diese doch sehr kurze Strecke. Bei der Fahrt zum Gullfoss sieht man noch den Canyon der Hvíta. Wenn der linke Fuß mitmachen würde könnte man hier eine klasse Tour machen, naja werde ich wohl verschieben müssen. Der Gullfoss ist schon faszinierend, wenn die Sonne scheinen würde wäre er noch schöner. Aber auch so ist er von einer umwerfenden Größe. Allerdings bekommt man hier wieder einen Kultur- schock, mit den schweren Schuhen und den dicken Sachen kommt man sich wie im falschen Film vor. Hier sind unmengen von Bustouristen, vor allem laufen einige rum als wenn sie auf Mallorca wären. Zum Glück wartet der Busfahrer hier die Zeit die er vorhin zu spät abgefahren ist, am Geysir hat er ja über 1 Stunde Zeit. Bei der Rückfahrt bekomme ich mit das zwei Isländerinnen (ca. 20 Jahre alt) mit im Bus sind, die sind mir schon am Wasserfall aufgefallen. Aber am Geysir fällt mir endgültig das Kinn auf den Boden. Die beiden hüpfen staunend um den Geysir rum, scheinbar haben die noch nie den Strokkur gesehen. Ist schon ein komisches Bild sowas zu sehen, so richtig kann ich es aber bald nicht begreifen. Ich werde noch eine kurze Wanderung zu einem verlassenem Hof unternehmen. Laut Karte ist das zwar ein Ruine, aber die Bauform ist kein Wohnhaus sondern eher ein Schafstall. Naja was solls, ich werde mal zurück laufen und mir was zu essen machen. Der Kartoffelbrei schmeckt nicht besonders, ich hätte jetzt Hunger auf richtige Schokokekse. Bloß leider haben die hier nichts im Angebot, in Reykjavik werde ich noch Geld tauschen und eine richtige Freßorgie machen. :-) Am Abend fängt es an sich wieder einzuregnen, es wird wohl langsam Herbst. Beim nächsten mal sollte ich eher kommen. Habe mich im Regenponcho draußen hingesetzt und noch einen Malzkaffee gekocht, dazu noch einen Riegel und fertig war das Abendbrot. Am Abend  wird es langsam kühler, im Zelt habe ich noch 10 °C. Jetzt bräuchte man eine Thermoskanne. Morgen geht es nach Reykjavik, mal sehen was der morgige Tag bringt.

Tag 13:

Es regnet und ist sehr stürmisch, nicht gerade das beste Wetter um das Zelt abzubauen. Zum Frühstück habe ich mir noch ein Süppchen gekocht. Dann das völlig nasse Zelt eingepackt. Beim warten auf den Bus habe ich noch ein Menü (Cola und Sandwich) verdrückt. Der Fahrpreis bis nach Reykjavik ist 1290 Kronen. Die Busfahrt war sehr interessant, man sieht erst einmal was es noch alles für Formationen der Landschaft auf Island gibt. Das verstärkt den Wunsch hierher zurück zu kommen nur noch, allerdings sollte ich dann mit einem Fahrzeug wieder hierher kommen. Beim BSI-Center angekommen regnet es immer noch, allerdings nur leicht. Dann werde ich mal die 3 Kilometer bis zum Zeltplatz laufen, zum Glück habe ich auf der Kopie des Reykjaviker Stadt- planes den Standort des Zeltplatzes entdeckt. Als ich auf dem Zeltplatz ankomme bin ich völlig durchgeschwitzt, ich hatte einfach zu viel an. 500 Kronen pro Nacht will der Zeltplatz haben, naja macht 4000 Kronen. Aber dafür ist der Zeltplatz gut ausgestattet, einzig die Lage ist nicht sehr gut. Er liegt mitten in der Stadt, und leider ist es sehr laut hier. Bin noch mal auf die Suche nach einer Tankstelle gegangen, ich brauche noch Benzin für den Kocher. Habe auch gleich noch etwas Knabberzeug gekauft, man gönnt sich ja sonst nichts. :-) Habe mir noch ein Abendbrot gekocht und bin dann in den Schlafsack abgetaucht.

Tag 14:

In der Nacht habe ich noch einmal gefrohren, allerdings hatte ich vergessen den Wärmekragen zu schließen. Nachdem er zu war wurde es schön warm im Schlafsack. Bei der Bank habe ich noch 100 DM getauscht, ich will mal sehen was für eine Isomatte ich bekomme. Zum Glück gibt es ja genug Werbung hier von Läden. Beim Ausrüster "Skátabúdin" in der Snorrabraut habe ich zwar einige Isomatten entdeckt, allerdings will der selbst für eine 18 mm Schaumstoffmatte noch 3.900 Kronen! Die Matte ist zwar nicht schlecht, aber viel zu teuer. Mal sehen was ich bei dem Ausstatter am BSI-Center bekommen kann. Auf dem Weg dort hin mache ich noch Bekanntschaft mit diesen Fußgängerampeln, keine schlechte Idee die Dinger , sowas sollte man in Deutschland auch einführen. Der andere Ausstatter ist preiswerter als der in der Snorrabraut, aber dafür hat er kaum Markenartikel. Dort hatte ich die Wahl zwischen einer selbstaufblasenden NoName-Matte für 3.900 Kronen und einer 8 mm Schaumstoffmatte für 790 Kronen. Ich habe dann die preiswertere Matte genommen, da ich meine andere Matte noch nicht weggeworfen habe ist die Polsterung dann ausreichend dick. Auf dem Rückweg bin ich quer durch die Stadt durch, ist schon sehr interessant andere Dinge als die aus dem Reiseführer zu sehen. Da noch ein Supermarkt auf dem Weg liegt kaufe ich noch mal richtig ein. Hier kaufe ich mir auch gleich noch eine Thermoskanne, für die paar Tage zwar nicht mehr unbedingt nötig aber doch ganz nett. Naja bleiben noch 1.600 Kronen für eine Woche, da müssen wohl noch einmal 100 DM dran glauben. Auf dem Zeltplatz habe bin ich erst einmal über das Weißbrot hergefallen, endlich mal wieder Brot! Die Isolierkanne probiere ich auch gleich aus, vor allem weil ich es mal wieder geschaft habe die Kanne runterfallen zu lassen. So mal noch ein paar Sachen waschen, vor allem die Socken haben es wirklich nötig. Danach räume ich noch etwas das Zelt auf. Bin am überlegen ob ich für die Nacht den Biwacksack drüber ziehen soll, auf der anderen Seite ist der Schlafsack am Morgen dann völlig nass.

Tag 15:

War eine sehr warme Nacht, liegt wohl doch nur am Wärmekragen. So mal wieder Brot zum Frühstück, nicht immer nur Tütenfutter. Das linke Knie bessert sich auch nicht, trotz das ich schon einige Sachen draufgeschmiert habe. Da werde ich in Deutschland wohl mal den Arzt besuchen müssen. Mal sehen was ich heute mache, ich werde einfach mal durch Reykjavik ziehen. Nach 3 Stunden Stadtbesichtigung ziehe ich in Richtung Zeltplatz los, auch fängt es an zu regnen. Da nicht viel los ist kann ich ja mal im Internet-Cafe vorbei schauen. Keine Deutschen Newsgroups und in Nacamar komme ich nicht rein und die ganzen EMail-Adressen habe ich auch nicht im Kopf, da kann ich auch wieder abhauen. Mit 500 Kronen pro Stunde für einen Rechner sind die aber hart an der Grenze des erträglichen. Auf den Schreck koche ich mir erst mal einen Malzkaffee und futtere ein paar Schokokekse. Habe noch eine Deutschen getroffen und mit ihm erst mal einen Plausch gehalten. Da nicht viel los ist gehe ich noch mal 100 DM tauschen und dann einkaufen, brauche noch Brotaufstrich. Beim Einkaufen wechseln mal wieder fast 1.000 Kronen ihren Besitzer, und dabei habe ich nicht mal viel gekauft! Da es regnet kann man nicht viel machen als im Schlafsack zu liegen und in den Karten zu wühlen. Am liebsten möchte ich zu dem Wasserfall Glymur bei Botn, der Wasserfall ist 200 meter hoch. Nur wie ich mich kenne schaffe ich es bestimmt nicht um 6 Uhr aufzustehen. Auch muß ich mal sehen wie das Wetter morgen ist. Aber jetzt versuche ich erst einmal einzuschlafen, bei dem Krach hier ist das gar nicht so einfach.

Tag 16:

Bin gegen 7 Uhr aufgewacht aber bevor ich hier anfange los zu rennen lege ich mich lieber wieder hin, die Woche ist noch lang. Zum Frühstück gibt es seit langem mal wieder eine Scheibe Schwarzbrot, leider schmeckt das Schwarzbrot etwas merkwürdig. Das Brot ist eher ein Süßes Brot. Na was soll´s, der Hunger ist weg. Da kann ich mir mal den Hafen von Reykjavik näher ansehen. Der Hafen ist auch anders als ich sonst einen Hafen kenne, einfach kleiner. Dafür existieren mehrere Häfen. Im Hafen entdecke ich auch ein Gebäude was ein Hakenkreuz als Symbol trägt, es soll sich dabei um eine Rederei handeln. Werde mal langsam zum Zeltplatz zurück laufen, und zwar kreuz und quer durch die Stadt. Auf dem Zeltplatz stelle ich fest das einer sein Zelt Marke "Baumarkt" im Waschraum trocknet. Ich biete ihm zwar noch Tape für die Nähte an, aber er sagt mir das es das Wasser einfach durch den Stoff drückt. In solchen Momenten bin ich auf mein Zelt richtig stolz. Da schönes Wetter ist habe ich das Zelt offen und döse etwas auf dem Schlafsack, dabei fällt mir erst einmal auf das man auf dieser Seite des Campingplatzes wie im Zoo lebt. Quer über oder durch den Campingplatz geht ein Weg zum Botanischen Garten. Man fühlt sich leicht beobachtet. Ich werde noch mal ein paar Kleinigkeiten einkaufen, vor allem habe ich Hunger auf etwas Fisch. Weil ich gerade beim essen war habe ich gleich noch einen Check meiner Nahrungsmittel gemacht. Von den 40 Riegeln sind noch 24 übrig, ich kann diese Dinger aber nicht mehr sehen. Das Müsli hängt mir auch zum Halse raus. Und von den Tütenfutter habe ich auch noch Unmengen, da nehme ich noch massenhaft mit nach Deutschland. Vor allem das ganze "Rizzi Bizzi" kann ich nicht mehr sehen, der Name löst schon einen Würgereiz bei mir aus. :-( Auch so kann ich noch einige Sachen futtern oder trinken, sonst muß ich sie zum Schluß noch wegwerfen. Erst mal werde ich mir etwas trockenmilch kochen. Leider habe ich ein paar Probleme mit dem Kocher, die Düse ist völlig zu, auch bringt die Pumpe keinen Druck mehr. Da werde ich wohl mal basteln müssen, zum Glück ist der Kocher sehr einfach aufgebaut. Nach etwa einer Stunde ist der Kocher wieder wie neu, einzig mit dem Pumpenleder muß ich mir was einfallen lassen, da fehlt Fett. Zum Abendbrot gab es Weißbrot und Fisch in Tomatensoße. Echt lecker der Fisch hier. Es fängt an wieder windig zu werden, auch wird es langsam sehr kühl. Ich werde noch die Seitentasche packen, wenn alles klappt fahre ich dann morgen zum Glymur.

Tag 17:

Die Nacht habe ich sehr schlecht geschlafen, fast überhaupt nicht So langsam kotzt mich die Stadt an, ich will lieber irgendwo draußen in der Wildnis rumrennen. Nur leider hat sich das Knie immer noch nicht gebessert. Die Fahrt zum Wasserfall kann ich mir auch schenken, draußen ist es windig und regnet. Kein gutes Wetter. Lege ich mich hin und schlafe noch ein paar Stunden. Zum Frühstück gibt es mal wieder Tütennudeln. Noch mal richtig stärken, ich will mir den letzten Teil des Hafens noch mal genauer ansehen. Dort ist die Geschichte des Hafens erklärt, und außerdem steht dort die wohl einzigste Lokomotive von ganz Island rum. Auch habe ich mir die Becken mit den Seewassertieren angesehen, leider waren die Becken nicht besonders. Habe mal eine neue Route durch die Stadt gewählt, ist schon komisch auf wie vielen Wegen man zum Zeltplatz kommen kann. Auf dem Zeltplatz sind noch zwei Mädels eingetroffen, leider funktioniert den ihr Kocher (Coleman Mulifuel) nicht mehr. Habe ihnen vorgeschlagen meinen zu benutzen. Haben noch bis 22.30 Uhr draußen gesessen und auf das Nordlicht gewartet, gestern war Nordlicht. Nur wie üblich habe ich im Schlafsack gelegen und geschlafen. Mal sehen ob ich morgen früh aus dem Bett komme, sonst muß am Samstag zum Glymur fahren.

Tag 18:

Bin gegen 6 Uhr aus dem Schlafsack. Schnell gefrühstückt und bin dann gegen 7 Uhr zum BSI-Center losgelaufen, bleibt mir noch 1 Stunde. Keine Chance, das Knie spielt nicht mit. Für 600 meter habe ich 25 Minuten gebraucht. Da wäre ich nie rechtzeitig beim BSI-Center gewesen, von den 7 Km zum Glymur mal ganz abgesehen. Das sollte ich wohl besser auf die nächste Reise verschieben, diesmal wird das nichts. Werde das Knie noch mal eincremen und noch ein paar Stunden schlafen. Zum Mittag will ich heute einmal etwas anderes essen, ich hole mir am besten eine Tüte mit einem Garnelenmisch. Nudeln mit Garnelenmisch, nicht gerade eine normale Mittagsmahlzeit. Irgendwie ist mir langweilig, und von der Unterhaltung mit dem Isländer bekomme ich ja nicht viel mit. Es fehlen wieder einmal die Englischkenntnisse. Also nehme ich einfach den Kocher von Andrea und Pia auseinander, hauptsache ich bekomme dann keine auf den Deckel. Allerdings läßt sich nicht viel an dem Kocher machen, der Generator ist total dicht. Leider verwendet hier Coleman ein Patent was es unmöglich macht eine vernünftige Reparatur durchzuführen. Einzig mit sehr feinem Schleifpapier könnte man ihn wieder gangbar machen. Joschi will noch mal duschen, läßt er mich doch glatt mit dem Isländer allein. Hilfe! Das nachfolgende "Gespräch" möchte ich hier lieber nicht wiedergeben, aber "Falsches Englisch für Dumme" würde es treffen. :-) Jedenfalls war ich froh als Joschi wieder auftauchte. Zum Abendbrot gab es das selbe wie zum Mittag, Nudeln mit Garnelenmisch. Werde mal noch ein paar Postkarten versenden. Mit Andrea, Pia und Manfred habe ich dann auf das Nordlicht gewartet. Gegen die kälte haben ich Unmengen an Tee getrunken, ein Fehler der mich in der Nach zweimal aus dem Schlafsack gezwungen hat. Ein kleines Nordlicht haben wir noch gesehen, oder besser einen Schimmer davon. Gegen 0.15 Uhr haben wir Schluß gemacht, vorher habe ich noch den Film voll geknipst. Leider habe ich gleich einen neuen eingelegt. Auf dem Weg zum Zelt fing das Nordlicht richtig zu leuchten an. Habe Andrea und Pia aus dem Bad geholt. :-)) Leider war es schon wieder beim Abflauen. Aber Andrea stand mit den Händen in den Hosentaschen und mit der Zahnbürste im Mund da, und starrte auf´s Nordlicht. :-) Man kann also auch mit wenig die Menschen faszinieren. Ich bin dann langsam ins Zelt gekrochen, beim zumachen des Zeltes habe ich festgestellt das der ganze Himmel ein einziges Nordlicht war. Leider war das ganz nach 10 Sekunden vorbei bzw. leuchtete nicht mehr in dieser Intensität. Ich habe noch versucht ein paar Bilder zu machen, aber leider war der Film zu unempfindlich. Aber allein für dieses Nordlicht hat sich der Urlaub schon gelohnt, aber im dunklen Hochland wäre das Nordlicht bestimmt noch besser zur Geltung gekommen.

Tag 19:

Es war eine saukalte Nacht, ich habe mal wieder gefrohren. Ich vermisse langsam das Hochland.... Um mal wieder etwas Natur zu sehen wollte ich in Richtung der Öltanks laufen, aber um aus der Stadt zu kommen hätte ich Stunden laufen müssen. Bis mir eingefallen ist das Andrea und Pia ja nach Videy wollten, laut Reiseführer liegt die Insel 15 Bootsminuten entfernt. Also müßte sie weiter draußen liegen, dort ist es bestimmt ruhig. Auch könnte ich endlich mal wieder durch den Matsch robben, ich vermisse das langsam. Auf nach Videy! Im Hafen kaufe ich mir das Fährticket für 400 Kronen (Hin- und Rückfahrt), dabei stelle ich fest das ich mal wieder eine Uhr brauche. Bisher habe ich hier mehr oder weniger ohne Uhr gelebt. Zum Glück ist auf dem Fotoapperat eine Datenrückwand mit Uhr. Bei der Bootsfahrt bin ich etwas überrascht, was ich als anderes Ufer des Fjordes deutete ist die Insel. Was soll´s es ist ruhiger als in Reykjavik, und knöcheltiefen Matsch finde ich auch. Laufe ich einfach eine Runde um die Insel, das reicht dann erst mal wieder. Auf der Insel selbst gibt es einiges zu entdecken, ganz witzig ist hierbei die Grotte "Paradís". Die Grotte ist etwa so groß das man darin schlafen kann, größer ist sie nicht. Auch die kleine Schlucht die als Schafstall gedient hat ist sehr interessant. Auf dem unteren Strandabschnitt ist mir allerdings ein Hubschrauberpilot auf die Nerven gegangen, der Typ hat da Flugmanöver probiert. Er hätte sich auch eine andere Gegend aussuchen können, hauptsache weit weg von mir. Ich bin dann auf der Straße entlang wieder in Richtung Verwaltung gegangen. Auf halben Weg biegt noch ein Pfad rechts ab, der Pfad geht am Meer entlang und ist schön ruhig. Nur ist er auf der Karte nicht mit eingezeichnet. Aber er läßt sich sehr leicht finden, einfach an der Steinmauer entlang laufen. Im Nordwestlichen Teil der Insel steht das Kunstwerk "Etappen". Also für mich sieht das wie ein mißratenes Stonehenge aus. An der alten Anlegestelle habe ich Andrea und Pia wiedergetroffen, hat mich gewundert das sie noch auf der Insel sind. Wir haben uns dann noch die Kirche angeschaut, die kleinste Kirche die ich bisher gesehen habe. Nach dem wir wieder auf dem Zeltplatz waren, und ich geduscht hatte, war ich völlig glücklich. War zwar nicht das Hochland oder so, aber auch schön ruhig. Der Rest des Tages lief wie immer ab. :-)) Einzig das ich noch mit einem Mädel aus Dessau geschwatzt habe. Die Welt ist doch klein! :-)

Tag 20:

Am morgen hat mal wieder der halbe Zeltplatz zusammen gefrühstückt, war ganz lustig. Heute bleibe ich liegen oder schwatze. Reykjavik kann ich nicht mehr sehen, es ist mir einfach zu laut. Das Mittagbrot wurde auch eher zum Abendbrot, naja was soll´s. Ich habe langsam angefangen alles zu entsorgen was ich nicht mehr brauchte. Es ist schön wenn man den Leuten eine Freude machen kann. :-)) Auch habe wir mal wie üblich bis tief in die Nacht geschwatzt.

Tag 21:

War doch noch eine kalte Nacht geworden, habe früh gefrohren wie ein junger Hund. Nach dem Frühstück habe ich den Kocher mal langsam eingepackt. Werde auch mal langsam anfangen alles einzupacken. Wenn ich mich anstrenge bekomme ich alles in den Rucksack. Na wer sagt es denn, alles verstaut! Reise ich wenigstens ohne Handgepäck. Werde meine letzten Kronen noch ausgeben, allerdings viel habe ich nicht mehr. Mit etwas Glück bekomme ich noch "Miss Swiss". Hätte ich mir schon denken können, gibt es mal wieder nicht. :-( Aber dafür habe ich noch ein Glas mit gutem Fisch geholt. Gibt es noch was gutes zu Essen vor dem Abflug. Gegen 16 Uhr laufe ich los, kann ich wenigstens 17.15 Uhr mit dem Bus fahren. Andrea und Pia sind auch nicht mehr auf dem Zeltplatz, kann man sich nicht mal verabschieden. Joschi ist auch in der Stadt und Sonja habe ich leider auch nicht mehr gesehen. Auf der Strecke zum Flughafen sind Josef und Martin noch eingestiegen, im Flieger wird wohl nur der Zeltplatz sitzen. :-) Auf dem Flugplatz angekommen geht das große Warten los, noch 7 Stunden bis zum Abflug. Mit Holger koche ich mir noch Tee und Kartoffelbrei mit Bohnen. Genau vor dem internationalen Flughafen! Und das komische daran ist das man damit nicht mal Probleme hat. :-)) Ein paar Isländer die mit ihrem Mercedes vorrollen lächeln aber, naja alles Unwissende. :-) Die Zeit vergeht zum Glück auch relativ schnell. Einchecken ist dann nur noch Minutensache. Im Flieger gibt es dann Zeitungen, und auf jeder ist der Absturz der Bundeswehrmaschiene ganz groß auf der Titelseite. Finde ich echt klasse! :-( Holger erzählt mir auch noch ganz nebenbei das die letzte Icelandair Maschiene Triebwerksprobleme hatte und umkehren mußte. Irgendwie steigert das mein Vertrauen in diese Technik fast ins unermessliche. Zum Glück ist 2 Stunden später dieser Horror überstanden. Die S-Bahn hat auch verspätung, so bekomme ich sie noch. Klappt alles wie am Schnürchen!

7 Stunden später bin ich zu Hause. :-))

 

Island danach:

- Auf der Tour habe ich 5 Kg an Gewicht verloren.
- Ich habe 1,4 Kg an Lebensmitteln wieder mit nach Hause genommen.
- Da werde ich wohl einiges an Ausrüstung ausmustern müssen, vieles war Schrott. :-(
- Ich weiß nun was mich bei der nächsten Tour erwartet.
- Ich warte auf den nächsten Urlaub, aber leider wird es erst 1999 etwas.
 

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